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Besichtigung Wasserwerk Hochkirchen am 19.10.2017

Zwar fand sich nur eine vergleichsweise kleine Gruppe zur Besichtigung des Wasserwerkes in Hochkirchen ein, aber das ermöglichte es dem einzelnen, viel mehr gezielte Fragen zu stellen, und beantwortet zu bekommen.

Wir erhielten erst einmal einen Überblick über die generelle Wasserversorgung in Köln, bevor wir dann das Wasserwerk selbst besichtigten.
200.000 m³ Wasser werden hier im Minimum am Tag abgegeben.
Im Unterschied zum Aachener Wasser, dass weicher ist, wird in Köln härteres Wasser gefördert, denn im Gegensatz zur Eifel und Teilen von Aachen, die ihr Trinkwasser über Talsperren bekommen, wird in Köln eine Mischung aus Grundwasser und Uferfiltrat (also versickerndes Rheinwasser) gefördert. Das Uferfiltrat hat den Vorteil, dass es weicher als das Grundwasser ist und die Härte somit etwas vermindert.

Drei große linksrheinische Wasserwerke, die das Wasser über eine Ringleitung verteilen und fünf rechtsrheinische Wasserwerke, die mit einer einzelnen, rückgratartigen Hauptleitung arbeiten, versorgen die Stadt mit ihrem Trinkwasser - 80 Mio. m³ im Jahr.
Ein Aktivkohlefilter filtert das Wasser. Dann wird es in einen Speicher geleitet, der ausreichen würde, um eine achtstündige Versorgung zu gewährleisten. Dieser sorgt dafür, dass auch bei Verbrauchsspitzen immer genug Wasser vorhanden ist. Aus diesem Speicher wird das Trinkwasser mit Druckpumpen direkt ins Netz eingespeist. Wassertürme werden nicht gebraucht. Und da das Wasser eine sehr hohe Qualität hat, muss es auch nicht desinfiziert oder anderweitig aufbereitet werden.
Die Aktivkohle, die noch in den 70er und 80er Jahren wegen der Lösungsmittelbelastung des Wassers erforderlich war, leistet heute bei der Filterung von PFT gute Dienste. Perfluorierte Tenside fallen nicht nur bei der Textil- und Papierherstellung an, sondern auch beim Einsatz von Feuerlöschmitteln.

Interessant war für uns die Auskunft, dass mögliche Havarien, die das Rheinwasser verschmutzen, gar kein so großes Problem darstellen, wie man meinen sollte. Durch die große Wassermenge und die Fließgeschwindigkeit des Rheins würden die Schadstoffe so verdünnt und weitertransportiert, dass sie keine allzu große Belastung für das Trinkwasser darstellen. Wesentlich schlimmer sind kleine aber kontinuierliche Schadstoffkonzentrationen, die das Wasser verunreinigen. So z.B. Übungsplätze der Feuerwehr, auf denen immer wieder belastete Löschmittel anfallen.
Ein Netz von Messstellen und bestimmte Messintervalle sorgen aber für eine entsprechende Untersuchungsdichte, die es möglich macht, rechtzeitig Gegenmaßnahmen zu ergreifen oder bestimmte Brunnen zur Not rechtzeitig stillzulegen.

Wenn man schon über die Belastung von Trinkwasser nachdenkt, hier noch ein anderer interessanter Gedanke: Der Nitratgehalt von 365 Litern Kölner Trinkwasser (das wäre ein Liter am Tag für ein Jahr) entspricht dem Nitratgehalt von anderthalb Salatköpfen.

Über die Geschichte des Werkes bekamen wir dann natürlich ebenfalls noch etwas zu hören:
Das Wasserwerk Hochkirchen wurde 1899 vor der damaligen Stadtgrenze geplant, um das Wasser abzufangen, bevor es verunreinigt werden konnte.
1906 wurden dann begehbare Vertikalfilterbrunnen gebaut (35 bis 40 m tief), die durch eine Leitung verbunden waren. Ein Vakuum von nur 0,3 bis 0,4 bar saugt das Wasser an, dass dann in einen Sammelbehälter läuft, der unter dem Grundwasserspiegel liegt.
Ein einfaches Prinzip, dass nur eine einzige Maschinentechnik für mehrere Brunnen erforderlich macht – und es ist seit über 100 Jahren in Betrieb, denn an der Art der Förderung hat sich nichts geändert. Auch die alte Sammelleitung von damals wird immer noch genutzt.
Schon faszinierend, was man damals (auch ohne PCs, aufwendige Programme und moderne Baumaschinen) gebaut hat und was auch heute noch einwandfrei funktioniert.

Die alte Leitung durften wir uns dann natürlich auch noch in Natura ansehen. Wir stiegen in den Stollen hinunter und sahen uns als erstes die Leitung an. Dann folgten wir dem Weg des Wassers:
über die Hauptleitung wird es durch die Aktivkohlefilter in die zwei Sammelbehälter und von dort aus über sechs Pumpen (drei mit festem Antrieb, drei drehzahlgeregelt) ins Netz.

Unterwegs konnten wir dann das Wasser auch probieren und wieder einmal die Sauberkeit in einem Wasserwerk bewundern (wie wir es ja auch in Gangelt schon getan hatten). Aber im Endeffekt wird an diesem Ort schließlich auch ein Lebensmittel verarbeitet. Also ist es eigentlich nicht verwunderlich, dass so penibel auf Sauberkeit geachtet wird.
Zum Schluss konnten wir dann noch die Halle mit den Sammelbehältern und den sechs Pumpen ansehen, in der momentan Umbau- und Wartungsarbeiten vorgenommen werden.

Wir bedanken uns bei unserem Gastgeber, der sich Zeit für uns genommen und uns ein paar neue Gedanken mit auf den Weg gegeben hat.

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