Bezirksgruppen > BG Aachen > Exkursionen & Berichte > Jahresrückblick 2019
BG-Aachen

Besichtigung Berufsfeuerwehr Aachen-Nord

Die Feuerwehr Aachen gliedert sich in eine Berufsfeuerwehr mit drei Wachen und eine freiwillige Feuerwehr mit zwölf Löschzügen. Das Aufgabengebiet der Feuerwehr umfasst neben der Brandbekämpfung und der technischen Hilfeleistung auch die Durchführung des Rettungsdienstes.
Die steigende Zahl von Rettungen aus großen Höhen oder Tiefen veranlasste die Feuerwehr Aachen, eine Spezial-Rettungs-Gruppe (Höhenrettung) zu gründen.
Zwei Mitarbeiter der Feuerwehr nahmen sich freundlicherweise den Nachmittag Zeit und erläuterten uns die Aufgaben der Spezial-Rettungs-Gruppe, führten uns deren Geräte vor und zeigten uns auch den Rest der Feuerwache 3.

Gegründet wurde die Spezial-Rettungs-Gruppe 1995 – als Vorbild fungierten entsprechende Gruppen aus Ostdeutschland, die dort wegen der Plattenbauten eingesetzt wurden. Früher sprach man von der „Höhenrettung“. Ein irreführender Begriff, weil viele dabei an Gebirge denken und sich fragen: „Wozu brauchen wir so was in Aachen?“. Dabei gibt es viele Orte, bei denen reguläre Feuerwehrfahrzeuge nicht ausreichen:

  • Riesenräder oder Kettenkarussels
  • die Seilbahn in Valkenburg
  • Windräder oder Kraftwerke
  • Staudämme oder Wälder
  • Hochregallager und Industrieparks oder auch Industriekletterer (für Wartungsarbeiten)
  • enge/steile Treppen oder Dachterrassen
  • Aufzugschächte und tiefe Kellerschächte
  • Baustellen

Aber auch bei Adipositaspatienten können Einsätze erforderlich werden, wenn die normalen Tragen nicht ausreichen oder das Treppenhaus für Patient und Retter nicht ausreichend dimensioniert ist.

Die Einsätze beschränken sich nicht nur auf Aachen, sondern die Einsatzkräfte können auch überregional angefordert werden. Da die nächsten Höhenrettungsgruppen in Düsseldorf, Köln und Mönchengladbach sitzen, erstreckt sich das Einsatzgebiet über die Bereiche Heinsberg, Düren, Euskirchen und teilweise auch in den Rhein-Erft-Kreis und ins benachbarte Belgien und die Niederlande. Falls ein Hubschrauber benötigt wird, können der SAR41 aus Nörvenich oder der ADAC-Hubschrauber aus Merzbrück angefordert werden.

Erstaunlich ist die kurze Aus- bzw. Weiterbildungszeit der Einsatzkräfte: nur 80 Stunden sind für die Zusatzausbildung erforderlich. Und dann 72 Stunden Fortbildung pro Jahr.

Die Einsatzzahlen sind steigend: 2011 wurde die Spezial-Rettungs-Gruppe zu elf Einsätze gerufen und in vieren davon tatsächlich eingesetzt. 2018 wurde sie schon zu 39 Einsätzen gerufen und in 13 Fällen davon eingesetzt.
2017 war die Aachener Gruppe z.B. beim Stillstand der Kölner Rheinseilbahn mit im Einsatz, da die Kölner Gruppe Unterstützung angefordert hatte.

Insgesamt sind in Aachen 26 Höhenretter beschäftigt. Bei einem Adipositas-Einsatz sind dann beispielsweise fünf Personen beteiligt: ein Gruppenführer, ein Begleiter am Kran, zwei Personen im Raum beim Patienten, eine Person am Boden. Zusammen mit regulärer Feuerwehr und Polizei macht das dann etwa 18 Personen plus der entsprechenden Fahrzeuge.
Die Höhenrettung hat im Unterschied zur „normalen“ Feuerwehr auch einen Kran und ein Fahrzeug mit Rettungskorb am Teleskop-Mast. Außerdem beherbergen die Rüstfahrzeuge Klettergeschirre und was der Höhenretter sonst noch alles braucht.

Aber die Spezial-Rettungs-Gruppe ist auch vorbeugend im Einsatz und unterstützt z.B. Baustellen bei der Erstellung von Rettungsplänen. Oder es wird vorab getestet, wie eine Rettung aus einem schlecht zugänglichen Brückenkasten realisiert werden könnte. So sparen die Retter im Ernstfall wichtige Zeit.

Bei unserem anschließenden Rundgang über das Gelände konnten wir dann die verschiedenen Fahrzeuge und Übungseinrichtungen auf dem Gelände der Wache bestaunen und erfuhren noch mehr über die Arbeit bei der Berufsfeuerwehr. Z.B. über die Probleme beim Eingang der Notrufe oder wie oft die Feuerwehr heutzutage unnötigerweise alarmiert wird.
Dann konnten wir die Fahrzeuge der Spezial-Rettungs-Gruppe genauer in Augenschein nehmen und hatten auch die Gelegenheit, uns aus dem Rettungskorb einen Überblick über die Gegend zu verschaffen.

Nach einer Runde über das Übungsgelände sahen wir uns zum Schluss das Floriansdorf an, in dem Kinder anschaulich zu verschiedenen Themen unterrichtet werden können. Und zwar nicht nur in Bezug auf richtiges Verhalten bei Feuer, sondern auch zu Erster Hilfe und Verkehrserziehung. Im Minidorf stehen verschiedene Häuschen zu unterschiedlichen Themen zur Verfügung. Und das Konzept geht auf: das Dorf ist lange im Voraus ausgebucht.

Im Endeffekt haben wir statt der veranschlagten zwei Stunden eher dreieinhalb Stunden rund um die Feuerwache 3 verbracht, weil es immer noch mehr zu hören und mehr zu sehen gab. Vermutlich könnte man noch einen oder zwei Nachmittage auf der Wache verbringen, ohne sich zu langweilen, aber für diesen Tag hatten wir unsere Gastgeber dann genug in Anspruch genommen und verabschiedeten uns mit einem herzlichen Dankeschön für die informative und unterhaltsame Besichtigung. Wir waren uns einig: alle, die an dieser Besichtigung nicht teilgenommen haben, haben eines der Highlights dieses Jahres verpasst!

Zurück