Bezirksgruppen > BG Köln > Exkursionen & Berichte > Radschnellwege in Nordrhein-Westfalen
BG-Köln

Eine neue Verkehrsinfrastruktur für unser Land

Unsere europäischen Nachbarn machen es uns vor: Radschnellwege (RSW) sind schon lange alltagstauglich. Nun zieht Deutschland nach und Nordrhein-Westfalen hat bei der Planung und Umsetzung von 150km Radschnellwegen die Vorreiterrolle in Deutschland übernommen. Im Rahmen eines Planungswettbewerbs wurden 5 Projekte ausgewählt, die von der Landesregierung gefördert werden. Ein Projekt davon ist der ca. 45km lange RSW im Westlichen Münsterland („Regio.Velo.01“) von Isselburg über Bocholt, Rhede und Borken nach Velen. Der Kreis Borken hat als projektkoordinierende Stelle ein Konsortium bestehend aus 4 Ingenieurbüros unter unserer Leitung mit der Aufstellung einer vertiefenden Machbarkeitsstudie/Entwurfsplanung beauftragt. Kern dieser Studie ist die Durchführung einer Objektplanung für Verkehrsanlagen (Lph. 1–3) ergänzt durch eine umweltfachliche Beurteilung, eine Potenzialanalyse sowie ein Kommunikationskonzept. Die Berücksichtigung vielfältiger und komplexer Randbedingungen erfordern zum einen sehr viel Detailarbeit an Knotenpunkten und städtebaulich sensiblen Innenstadtbereichen. Zum anderen wurden außerorts in mehreren Bereichen alternative Trassierungen gewählt, um den Eingriff in bestehende ökologisch wertvolle Naturräume zu minimieren.

Zudem sind die vom Verkehrsministerium NRW definierten Qualitätskriterien zu beachten, wie z.B. weitestgehende Bevorrechtigung /planfreie Führung an Knotenpunkten, Priorisierung durch Lichtsignalanlagen (grüne Welle), Trennung zwischen Rad- und Fußverkehr und steigungsarme Streckenführung.

Im Ergebnis wurden abschnittsweise Nutzenspotenziale für den Radschnellweg von bis zu 5.600 Fahrten pro Tag bei voller Verkehrswirksamkeit der Gesamttrasse prognostiziert. Jeder dieser Radfahrer entlastet im Nahbereich das Straßennetz vom Autoverkehr. Dieser Effekt wird mit einer Infrastruktur erreicht, die um ein vielfaches kostengünstiger ist als die für den motorisierten Individualverkehr. 715 Euro/m wurden als durchschnittlicher Kostenansatz für den Radschnellweg ermittelt. Autobahnen kosten dagegen im Mittel 11.300 Euro/m, also mehr als 15 mal so viel. Die Machbarkeitsstudie wurde im Oktober 2015 abgeschlossen und danach den politischen Gremien im Kreis und den beteiligten Kommunen zur Beschlussfassung vorgestellt. Durch die beabsichtigte Novellierung des Straßen- und Wegegesetzes, Radschnellwege in die Baulast des Landes zu legen, könnte. in 2017 mit dem Bau eines ersten Abschnitts begonnen werden. 

Zurück