Landesvereinigung > Ingenium 2018 der Ingenieurkammer-Bau NRW
Aktuelles Landesvereinigung

Ingenium 2018 der Ingenieurkammer-Bau NRW

26.9.2018 in der Turbinenhalle in Düsseldorf
Begrüßung der Gäste durch den Präsidenten, Herrn Dr.-Ing. Heinrich Bökamp

Vielen Dank an Herrn Erdenberger und die Künstler. Sie alle haben einen großen Applaus für den Start in den Abend unseres Ingeniums 2018 verdient.

Sehr geehrte Frau Ministerin, liebe Frau Scharrenbach, sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete des nordrhein-westfälischen Landtages und des Bundestages, sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen.Herzlich willkommen zum Ingenium 2018 hier in der beeindruckenden Turbinenhalle der Stadtwerke Düsseldorf. Schön, dass Sie in so großer Zahl unsere Einladung angenommen haben.

Was haben wir da gerade erlebt? Klänge, Sprache, Visuelles, Technisches und Menschliches – eine Mischung aus Realität, Technik und Fiktion. Es war faszinierend, beeindruckend, die Seele ansprechend, aber nicht möglich ohne technisches Equipment und Knowhow. Wir haben ein Netzwerk der ganz besonderen Art erlebt und so vielleicht einen ganz ungewöhnlichen Blick in die Zukunft geworfen. Eine Zukunft, in der wir über Industrie 4.0, Künstliche Intelligenz (KI) und Datenschutzgrundverordnung ebenso nachdenken wie über Handyparkplätze beim Abendessen fernab des Küchentisches, über Work-Life-Balance und Bike-Sharing.

Wir leben in einer Zeit, in der wir unsere Lebensbezüge mit einem Wort, einem Gedanken, einer Aktion längst nicht mehr definieren, nicht mehr erfassen können. Die Reise in den Weltraum vermittelt uns die Dimension, dessen Teil wir sind; die Tatsache, dass wir sie - wenn auch nur in bruchstückhaft - darstellen und erklären können, zeigt uns die Ebene des Fortschrittes, auf der wir uns bewegen. Schauen wir auf die Zukunft, die wir uns selbst gerade programmieren:  Das Thema des Wissenschaftsjahres 2019 steht fest: KI – künstliche Intelligenz!  Und an dieser Stelle darf ich Ihnen Frau Scharrenbach ein Kompliment machen: Denken braucht Freiräume, Risikobereitschaft, Ausdauer - und den Willen, nicht von der Verwaltung von Problemen zu leben, sondern von ihrer Lösung. In beeindruckender Weise haben Sie dies bei der Novellierung unserer Bauordnung unter Beweis gestellt. Wir freuen uns alle schon sehr auf ihre Einführung zum Beginn des neuen Jahres.

So wie ich Sie erlebt habe, war Ihnen offensichtlich Immanuel Kants Zauberformel: „Habe den Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen“ ein guter Wegbegleiter. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Mehr denn je sind wir also gut beraten, auf vielen Feldern in unterschiedlichen Formen der Kommunikation mit Menschen, Maschinen und Systemen vernetzt zu sein. Dahinter steckt: Unser Leben wird total vernetzt – es entstehen neue Formen der Gemeinschaft, des Zusammenarbeitens und des Zusammenlebens. Alle Bereiche unseres menschlichen Seins und Handelns werden davon erfasst. Und das beschränkt sich nicht nur auf die Digitalisierung in der Produktion, sondern dazu gehören zum Beispiel auch die Augmented Reality als die computergestützte Verknüpfung der realen mit der virtuellen Welt und ebenso Big Data als Sammlung, Verarbeitung und Analyse komplexer Mengen computergenerierter Daten.

Das Carsharing bedeutet einen Systemwechsel in der Automobilität; das Crowdfunding schafft neue Möglichkeiten für eine kollektive Finanzierung von Ideen, Projekten, Initiativen – gesteuert über Internetplattformen. (Übrigens: Wer dazu mehr wissen will, dem empfehle ich unsere Zeitung „thema“, die heute hier frisch auf den Markt gekommen ist.) Daneben stehen die Partys mit Bier, Wein, Sekt und modern mit Gin-Varianten (in unserem Dessert heute natürlich auch), die Meetings in zu heißen oder zu kalten Konferenzräumen, der emotionale Überschwang im Fußballstadion – von Mensch zu Mensch erlebt.  Es gibt wieder die Jam-Session im alten Bürgerhaus, die, wie früher die Friedensbewegung, ihren eigenen Lebenseinstellungen und Zielen folgt, ohne dafür sprechende Computer oder spontan über Twitter und Facebook organisierte Flashmobs zu brauchen. Beide Typen von Netzwerken haben heute ihre Berechtigung, sind umso stärker in wirklich schlauer Verzahnung. Deshalb: hinschauen ist die Devise und klug zu entscheiden, wann und wo welches Netzwerk, welcher Kommunikationskanal und welche Art des Mediums gerade am besten passt. Und natürlich kommt es darauf an, Netzwerke auch richtig zu nutzen. Sowohl als Person wie auch als Institution oder als Berufsstand. Gerade Ingenieurinnen und Ingenieure stehen hier in der Verantwortung - für sich selbst, aber auch und gerade für die Gesellschaft. 
Grundlage ist unsere „Bildung“. Und da meine ich nicht zentral die Frage nach den erreichten credit points, um ein fundiertes Ingenieurstudium abgeleistet zu haben. Da schaue ich auf viel mehr: Zum Beispiel auf unsere Kinder und Jugendlichen. Wie führen wir sie etwa an die Handy-Nutzung heran? Und genauso: Wie führen wir sie an eine gesunde Ernährung heran. Vielleicht hilft das Handy ja mehr als dass es schadet, wenn es neben der Möhre liegt und das dort laufende YouTube-Video zum Umgang mit dem Sparschäler animiert?  Ich bin kein Pädagoge, aber ich bin sicher, dass die gezielt eingesetzte Vernetzung unserer unterschiedlichen Lebenswelten die heutige Lebensrealität ist - und zukünftig noch mehr sein wird.  Und wenn das so ist, dann sollten wir vielleicht auch für unsere Ingenieurakademie West und andere Weiterbildungsinstitute über den Technik- und Methodenmix nachdenken. Wir sollten fordern, Strukturen aufzubauen, die beides – Technikkompetenz und natürliche Emotionalität – vermitteln.

Am Ende ist es vielleicht ganz einfach: Lernen mit Kopf, Herz und Hand – lebenslang. Chancengerechtigkeit setzt auf Gerechtigkeit, nicht auf Gleichheit! Der Egalitarismus nivelliert und erzeugt zwangsläufig nur Durchschnitt - und der zieht weiter nach unten.

Ich bin sicher, überall wird es Anknüpfungspunkte zum Austausch und Chancen für gemeinsame Leitbilder, Projekte, Fantasien und Utopien geben. Vor allem wenn wir hinschauen, wenn wir uns einfühlen und Ideen haben, wie wir bei diesem hohen Vernetzungsdruck miteinander umgehen wollen.

Bildung ist ein Element zur Selbstbefähigung!

 

Zurück