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BG-Olpe-Siegen-Wittgenstein

Programm und Berichte 2016

In dieser Rubrik finden Sie aktuelle Termine, Berichte und Veranstaltungen des laufenden Jahres

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Jahresrückblick 2015

In dieser Rubrik finden Sie Bilder und Berichte aus dem Jahr 2015. 

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Jahresrückblick 2014

In dieser Rubrik finden Sie Bilder und Berichte aus dem Jahr 2014. 

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Jahresrückblick 2009/2010

In dieser Rubrik finden Sie Bilder und Berichte aus den Jahren 2009 und 2010

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Herbststudienfahrt nach Berlin

Seit dem Gründungsjahr der VSVI-Gruppe in 1966 sind die Herbststudienfahrten immer etwas Besonderes. Gelegenheit zu schauen, wie und welche technischen Bauaufgaben anderwärts gelöst werden und was die Altvordern schafften. Gelegenheit, sich im Kreis von Kollegen einige Tage und Abende über die Grenzen eigener Tätigkeit in Bauwirtschaft, Planungsbüro und Fachbehörde auszutauschen.

Einige waren schon früh aufgestanden, um die Abfahrt des Reisebusses am 10. September um 6 Uhr in Siegen nicht zu verpassen. Erstes Ziel war das Wasserstraßenkreuz Magdeburg. Ein am Bau betei-ligt gewesener Kollege erläuterte an einer Schautafel die Bauwerke im Zuge des Verkehrsprojektes „Deutsche Einheit Nr. 17“, der Bundeswasserstraßenverbindung Rühen-Magdeburg-Berlin als durchgehende Kanalstrecke. Die Planungen für die Errichtung des Wasserstraßenkreuzes gehen bereits auf den Anfang des 20. Jahrhunderts zurück. Bedingt durch den II. Weltkrieg erfolgte ein Baustopp. Erste Station der Besichtigung waren das Schiffshebewerk Rothensee und die parallel gebaute Sparschleuse Rothensee, über die Schiffe vom Mittellandkanal zur Elbe und zum Binnenhafen Magdeburg wechseln können. Die zweite Station war Europas größte Kanalbrücke als Mittelpunkt des Wasserstraßenkreuzes. Sie führt den Mittellandkanal mit einer Länge von 918 m über die Elbe hinweg. Verkehrsübergabe war im Oktober 2003. Östlich der Elbe geht der Mittellandkanal in den Elbe-Havel-Kanal über.

Nach so viel Ingenieurbau war das nächste Ziel zunächst ein Schock: „Die Grüne Zitadelle“ in Magdeburg. Sie ist ein von Friedensreich Hundertwasser entworfenes Gebäude in unmittelbarer Nähe zu Domplatz und Landtag. Es handelt sich um das letzte Projekt, an dem Hundertwasser vor seinem Tod gearbeitet hat. Fertig gestellt wurde es im Jahr 2005. Vorher befand sich dort ein Plattenbau aus der DDR-Zeit. In einer geführten Besichtigung wurden Geschichte, Gestaltungsidee, Materialauswahl, Ausführung und Nutzung so anschaulich und versöhnlich erläutert, dass einige Teilnehmer wünschten, dort zu wohnen. Der Abend stand zur freien Verfügung – ein angenehmer Programmteil. Magdeburg ist eine Reise wert.

Unsere Reisegruppe in Berlin

Am nächsten Morgen zwei stille Stunden bis Berlin. Dann 10 Uhr geführte Stadtrundfahrt in dichtem Verkehr. Zu Mittag, bei kurzem Stopp am Bus, im Stehen, eine mäßig warme Gemüsesuppe oder heiße Würstchen mit Senf und Brot, Getränk aus der Flasche. Die Zeit war knapp geworden bis zur vereinbarten Tour „Erlebnis Baustelle Flughafen Berlin-Schönefeld“. Zunächst im eigens für Besucher errichteten „Info-tower“ in Film und am Modell eine Einführung in die größte Flughafenbaustelle Europas. Vom ehemaligen Werksflughafen der Henschel-Flugzeugwerke an der südlichen Stadtgrenze Berlins auf dem Gebiet der Gemeinde Schönefeld im Land Brandenburg, über den Zentralflughafen der DDR wird er „Flughafen Berlin Brandenburg International (BBI)“.

Der Abstand zwischen den Start- und Landebahnen beträgt 1.900 Meter. Damit können beide Bahnen ohne Beeinträchtigungen von Wirbelschleppen unabhängig vonein-ander betrieben werden. Die Gesamtkosten sollen 2,83 Mrd. Euro nicht überschreiten. Nach Prognose entsteht der drittgrößte Flughafen Deutschlands nach Frankfurt am Main und München, wobei die Berliner Flughäfen für 2008 bundesweit den größten Zuwachs bei den Passagierzahlen verzeichnen konnten. Die Eröffnung soll am 30. Oktober 2011 sein. Schon für das Jahr 2020 rechnet man mit einem Aufkommen von mehr als 30 Mio. Passagieren. Das Flughafenvorfeld ist so dimensioniert, dass es schrittweise mit ergänzenden Modulen auf eine Kapazität von bis zu 50 Mio. Passagieren pro Jahr ausgebaut werden kann.

Beim nächsten Programmteil hätte der Kontrast nicht deutlicher sein können. Wir erlebten eine Führung durch einen Luftschutzbunker im U-Bahnhof Gesundbrunnen. Ein gemeinnütziger Verein Berliner Unterwelten hat das Ziel, die Erforschung, Dokumentation und den Erhalt der unterirdischen Anlagen in Berlin voranzutreiben. Der Bunker wurde in vielen Tausend ehrenamtlich geleisteten Arbeitsstunden der Mitglieder wieder hergerichtet, rekonstruiert und zum „Berliner Unterwelten-Museum“ aufgebaut. Eine ABC-Schutzanlage, Hinterlassenschaft des Kalten Krieges, wurde mit übernommen. Fluchten nach West-Berlin durch die Kanalisation, Geisterbahnhöfe und Senatsreserven-Lagerstätten aus jener Zeit sind thematisiert.

Schiffshebewerk Niederfinow Nord

Zum Tagesabschluss gemeinsames Abendessen im Nikolaiviertel, wo einst Berlin entstand. Eine Oase der Ruhe und Beschaulichkeit. Samstag, 10 Uhr, Rüdersdorf. Es liegt ca.30 Kilometer östlich des Berliner Stadtzentrums und ist seit alters her durch seine in der Mark Brandenburg einmalig vorkommende Kalksteinlagerstätte bekannt. Bereits zum Bau des Dominikanerklosters in Strausberg 1254 wurde Rüdersdorfer Kalkstein verwendet. Zum Weltkulturerbe gehören Kalkbrennöfen, Rumfordöfen und eine Schachtofenbatterie. Eine Landrovertour bot eine Zeitreise durch die in 800 Jahren entstandene Tagebaulandschaft.

Nach Besichtigung einer Baustoffaufbereitungsanlage mit Deponiebetrieb  ging es weiter zum Schiffshebewerk Niederfinow. Es wurde 1934 in Betrieb genommen und ist damit das älteste noch arbeitende Schiffshebewerk Deutschlands. Es liegt am Oder-Havel-Kanal in Brandenburg und überwindet einen Höhenunterschied von 36 Metern. 1997 wurde der Neubau eines größeren Schiffshebewerks Niederfinow Nord beschlossen. Im Herbst 2006 begannen die Erdarbeiten zwischen dem heutigen Hebewerk sowie der Schleusentreppe und es erfolgte der Teil-abriss einer alten Schleuse. Die Fertigstellung ist für 2013 geplant. Bei einer Hebefahrt im Boot erlebten wir die Größe der Anlagen.

Sonntag war Rückreise mit Zwischenaufenthalt in Weimar. Es war der Tag des offenen Denkmals und Gelegenheit, ein wenig zu stöbern. Für die 24 Teilnehmer war die Studienreise bei günstigem Wetter wieder ein besonderes Erlebnis. Der Dank für Vorbereitung und Durchführung war herzlich.