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Besichtigung Fernmeldemuseum Aachen am 13.02.2020

Klein aber fein, das gilt auch für das Fernmeldemuseum, das ein Verein am Gut Wolf betreibt. Hier gibt es Technik von gestern und vorgestern zum Anfassen und Einschalten. Auf 360 m² Ausstellungsfläche sind alle Systeme im Original aufgebaut und voll funktionstüchtig.

Die Ausstellung ist unterteilt in die Themenkreise: Ortsvermittlungstechnik, Fernvermittlungstechnik, Übertragungstechnik, Linientechnik, Funktechnik, Telegrafentechnik, Entstörungsdienst und Endgeräte. Jedes Thema ist in einer separaten Nische dargestellt. Raumübergreifend sind aufwendige Einrichtungen wie Freileitungslinie, Kabelgraben und Richtfunkstrecke errichtet. In einer Vitrinensammlung sind Endgeräte sowie diverse Bauteile, Werkzeuge und Messgeräte ausgestellt.

Wir wurden von einem der ehrenamtlichen Mitarbeiter des Vereins begrüßt und durch die Ausstellung geführt, beginnend mit einem der ersten konstruierten Telefone, das nur zwei Apparate miteinander verband, und bei dem der Hörer zugleich auch Sprechmuschel war. Auch ein Pult, wie es das Fräulein vom Amt hatte, bekamen wir vorgeführt. Die Fäuleins damals mussten natürlich aus gutem Hause kommen und vertrauenswürdig sein – schließlich konnten sie die Gespräche mithören.
Dann ging es weiter zur Ortsvermittlungstechnik, bei der man beobachten kann, was beim Wählen der Zahlen auf dem Telefon passierte. Wohlgemerkt: Wählen auf der Wahlscheibe! Viele der jüngeren Besucher sind an dieser Stelle ratlos, weil sie so ein Telefon noch nie gesehen haben.
Bei jedem Wahlvorgang hört und sieht man, wie sich in der Ortsvermittlungstechnik irgendwo eines von den mechanischen Bauteilen dreht und hochrattert. Und dann: „RING-RING-…“ am anderen Ende des Raumes klingelt es, die Verbindung ist hergestellt. Legt man später wieder auf, rasseln die Teile im Gestell wieder in ihre Urprungsposition zurück.
Die Zähler mussten damals noch von Hand abgeschrieben werden. Später wurden sie dann fotografiert, was dem Ableser viel Zeit sparte.

Weiter ging es zu den verschiedenen Kabeln (eine Alptraumvorstellung, hunderte von Drähten aneinanderlöten zu müssen), vorbei an Muffen, Schaltschränken und Hausanschlusskästen.
Nächster Halt Telegrafentechnik. Eigentlich schade, dass es keine Telegramme mehr gibt. Wieviel schöner ist ein Telegramm, das z.B. an die Geburt eines Kindes erinnert, als eine WhatsApp, die im Daten-Nirvana verschwindet.
Auch diese Sammlung wie altertümliche Schreibmaschinen aussehenden Geräte ist noch funktionstüchtig und lässt noch einmal kurz die Zeiten der Telegramme wieder aufleben.

Dann noch ein Kuriosum, das heute niemand mehr kennt: automatische Ansagen über das Telefon. Seie es ein Fahrplan, das Kinoprogramm oder aber das Rezept des Tages. Falls der Dame des Hauses die Inspiration für das Mittagessen fehlt, wie wäre es denn mal mit Barsch auf arabische Art? Wir hören zumindest einen Teil der Ansage, in der eine freundliche Frauenstimme gerade die Zutaten in bedächtigem Tempo vorliest.
Ebenso erstaunlich: ein übersichtlicher Kasten Microfilme, auf denen das Telefonbuch festgehalten ist. Wer hätte gedacht, wie wenig Platz das deutsche Telefonbuch in dieser Form einnimmt?

Zuguterletzt machten wir noch einen Abstecher in die Abteilung der Mobiltelefone und Fernseher. Ein Autotelefon aus Adenauers Zeiten, winzige Mobiltelefone und alles Entwicklungsschritte dazwischen stehen aufgereiht auf einem Tisch.

Zum Fernseher lässt sich kurz sagen: Fußballfans sollten hoffen, dass ihre Nachbarn das Programm nicht über Antenne empfangen. Denn während dort schon über das gefallene Tor gejubelt wird, hinkt man selbst noch der Zeit hinterher. Manchmal ist die “alte“ Technik dann eben doch schneller.

Die Frage ist, wie lange dieses Museum noch in seiner jetzigen Form weitergeführt werden kann. Denn irgendwann gibt es keinen Telekommunikationsnachwuchs mehr, der gelernt hat, wie die ausgestellten Schätzchen funktionieren und repariert werden können. Es bleibt zu hoffen, dass es auch in der Zukunft Tüftler gibt, die sich dafür interessieren und das Museum am Laufen halten, damit auch kommende Generationen bewundern können, wie die Kommunikation vor Smartphones und Apps funktioniert hat.

Wer sich für eine Besichtigung des Museums interessiert, findet Informationen unter: www.fernmeldemuseum-aachen.de

 

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